DIE Canon EOS C50 IM TEST – DER TESTBERICHT
Heute geht’s bei uns um eine Kamera, auf die ein paar von euch schon gewartet haben: die Canon EOS C50. Wir hatten sie jetzt eine Zeit lang bei uns im Einsatz und haben sie unter schwersten Bedingungen für euch getestet! Für alle die es nicht wissen, die C50 ist eine kompakte Vollformat-Cinema-Kamera mit 7K Open Gate, einem komplett neuen Sensor und einem Autofokus, der uns im Test wirklich überzeugt hat.
Kurz vorweg, damit alles transparent ist: Wir haben die C50 als Testgerät von Canon leihweise bekommen, kein Geld dafür erhalten und die Kamera danach direkt wieder zurückgeschickt. Vielen Dank an dieser Stelle an Canon für die Möglichkeit. Selbstverständlich haben wir für euch auch wieder ein Video mit dem gesamten Testbericht zur Canon C50 produziert, falls ihr auf der Suche nach einer neuen Cinema-Kamera seid. Viel Spaß!
Inhalt:
Sensor und Open Gate: Das Herzstück der C50
Aber starten wir doch erstmal wie gewohnt mit dem Kern der Kamera. Die C50 hat einen komplett neuen 7K-Vollformatsensor mit rund 32 Megapixeln, gepaart mit einem extrem starken Prozessor. Damit ist sie die erste Kamera in der Cinema-EOS-Reihe, die volles 3:2 Open Gate aufnehmen kann – also die komplette Sensorfläche von 6.960 x 4.640 Pixeln nutzt, statt nur einen 16:9-Ausschnitt.
Für euch heißt das: Ihr dreht einmal in voller Auflösung und könnt in der Post dann horizontal fürs Kino, vertikal für Social Media croppen, oder bei Anamorphen Aufnahmen den ganzen Sensor nutzen! Rolling Shutter ist bei der Kamera nicht unbedingt ideal und vielleicht ein bisschen ausgeprägter, wenn man das mit der Konkurrenz vergleicht, allerdings gibt es hier mehr Auflösung und Open Gate, was unserer Meinung nach ein fairer Deal ist!

*Der 7K Open Gate Sensor erlaubt uns die gleichzeitige Aufnahme von Vertical und 16:9 Formaten
Bildqualität, Dynamic Range und Farben – Im Livetest
Das ist für uns persönlich der spannendste Teil dieses Tests gewesen. Als Sony-User ist man es gewohnt, dass die Kamera eher flache, neutrale Farben liefert, die man in der Post erst aufbauen muss. Canon macht das bis heute noch komplett anders: Die Farben kommen hier deutlich kräftiger und wärmer direkt aus der Kamera heraus – und das hat uns wirklich positiv überrascht obwohl wir es nicht gewohnt sind!
Für den Dynamic-Range-Test haben wir uns bewusst einen Ort gesucht, der die Kamera richtig fordert: das Jazz Open Stuttgart bei praller Sonne! Wir hatten dort knallharte Sonne von vorne, warme Spotlights auf der Bühne selbst und gleichzeitig sehr dunkle Backstage-Bereiche. Ein perfekter Kontrast-Stresstest von hell bis dunkel innerhalb einer Einstellung. Ohne ND-Filter.
Die C50 arbeitet hier wie heute schon fast üblich mit Dual Base ISO bei 800 und 6.400 in Canon Log 2. Der zweite native ISO-Wert bei 6.400 ist im Vergleich zur älteren R5C (die bei 3.200 lag) ein echter Sprung nach oben – das Bild wird beim Umschalten auf den höheren ISO-Wert spürbar sauberer, gerade in den dunklen Backstage-Bereichen haben wir das deutlich gemerkt.
Unser Fazit zur Dynamic Range: Die Kamera macht spaß und taugt hier wirklich um auch in der Post noch zu zaubern! Selbst bei den extremen Gegebenheiten bei einem Konzert, ohne ND Filter und wechselnden Lichtverhältnissen hat die Cam wirklich abgelifert! Zum technischen Vergleich: Gerald Undone kam in seinen eigenen Messungen bei ISO 800 auf rund 15,1 Stops total mit einem Median von etwa 10,1 Stops – deckt sich also sehr gut mit dem, was wir gesehen haben. Sobald man Noise Reduction in der Post anwendet, sind locker 12 bis 13 saubere Stops drin, weil Canon bei den RAW-Daten bewusst keine Rauschreduzierung fest einbrennt. Das gibt euch maximale Flexibilität, bedeutet aber auch mehr Arbeit im Schnitt.

*Die Bildqualität der C50 haben wir für euch auf den Jazz Open getestet!
Autofokus und Stabilisierung: Canon RF 24-70mm f/2.8 aus der Hand
Jetzt zu einem Punkt, der heutzutage erstmal komisch wirkt: Die C50 hat kein IBIS, also keine interne Bildstabilisierung. Für viele Hybrid-Shooter ist das erstmal ein gewaltiger Minuspunkt. Aber nach unserem Test können wir sagen: Für uns persönlich ist das war das überraschenderweise kein Problem. Wir haben fast alles mit dem Canon RF 24-70mm f/2.8 aus der Hand gefilmt und dabei ausschließlich die optische Stabilisierung des Objektivs genutzt, also kein Gimbal, keinen Rig.
Das Ergebnis war für diese Art von Aufnahmen absolut ausreichend. Wer mehr Laufbewegung oder komplexere Kamerabewegungen plant, kommt mit einem Gimbal zusätzlich komplett hin – IBIS braucht’s dafür aus unserer Sicht nicht. Natürlich ist haben besser als brauchen und deshalb gibt’s trotzdem einen Minuspunkt, da für bestimmte Aufnahmen, beispielsweise in Autos, wo kein Platz für Gibals ist der IBIS nicht geschadet hätte!
Beim Autofokus dagegen liefert Canon wie gewohnt richtig ab. Der Dual Pixel CMOS AF II erkennt jetzt auch im Cinema-Modus Tiere zuverlässig, nicht nur Gesichter und Augen. Der „Detect Only“-Modus – früher hieß das Face Only – verhindert zuverlässig, dass die Kamera auf den Hintergrund scharfstellt, wenn euer Motiv kurz aus dem Bild läuft. In unserem Test war das spürbar treffsicherer als bei der ein oder anderen Konkurrenz, besonders bei wenig Kontrast.

*Die Canon C50 überzeugt mit super Fokus ohne Kompromisse!
Hardware, Bedienung und ein klarer Schwachpunkt
Was die Hardware angeht, hat Canon hier wirklich mitgedacht. Der mitgelieferte Top-Handle bringt zwei vollwertige XLR-Eingänge (bis heute mein Lieblingsfeature hier im Studio um die besten Mikros zu nutzen, eine Zoomwippe und Tally-Lampen mit, und sitzt deutlich stabiler als vergleichbare Lösungen anderer Hersteller. Dazu gibt’s einen vollwertigen HDMI-Anschluss, weitere Audioports und USB-C mit Streaming-Support für Webcam-Nutzung.
Trotz der guten XLR-Eingänge fehlt leider eine interne 32-Bit-Float-Aufnahme, ein Feature, das andere Hersteller wie DJI bei der Osmo Pocket 4 schon eingebaut haben. Canon hat inzwischen Firmware 1.0.4.1 nachgeliefert — das bringt USB-C-Kameracontrol für externe Geräte wie Gimbals, automatische SRT-Reconnect-Funktion fürs Streaming und weitere Stabilitätsfixes. Das 32-Bit-Float-Audio bleibt aber weiterhin ein offener Punkt und irgendwo müssen wir ja meckern!
Beim Bildschirm meckert das Internet ja schon seit Monaten „ Ein 3-Zoll-Touchscreen mit nur 1,62 Millionen Bildpunkten ist für eine Kamera aus 2025/2026 einfach zu klein und zu niedrig aufgelöst“. Für uns war es trotzdem absolut akzeptabel, wir wussten das wir beim JAZZ Open im prallen Sonnenschein filmen werden und haben deshalb helligkeit etc einfach ordentlich hochgeknallt, war absolut machbar.
An der Stelle noch ein ehrlicher Punkt, der für alle Sony-Umsteiger relevant ist: Das Menü ist Canon-typisch anders aufgebaut als das, was wir kennen. Man braucht definitiv ein paar Sessions, um sich einzufinden. Das ist kein schlechtes Menü – aber wer jahrelang Sony gefahren ist, wird sich die ersten Tage öfter mal durch die Struktur tasten müssen und buttons belegen bis man sich heimisch fühlt.

*XLR-Inputs am Handgriff erlauben die eifnache Nutzung von Profi-Mikrofonen
Thermals, Akku und die Datenraten-Realität
Die aktive Kühlung der C50 haben wir ebenfalls unter echten Bedingungen erlebt: Sonne direkt auf die Kamera, stundenlanger Betrieb am Stück. Kein einziges Überhitzungs-Warning, kein Abbruch. Das ist für uns als jemand, der mit Sony-Kameras auch schon mal Probleme bei längeren Aufnahmen in der Hitze hatte – Grüße an die gute alte A73, ein echter Pluspunkt. Die aktive Kühlung macht hier wirklich den Unterschied.
Bei der Akkulaufzeit gibt’s direkt die nächste positive Überraschung: Mit dem LP-E6P-Akku haben wir bei 4K XF-AVC zwischen 60 und über 100 Minuten geschafft, je nach Einstellung – ein deutlicher Sprung gegenüber den vorgängern.
Zwei weitere Dinge, die uns beim Workflow aufgefallen sind: Die simultane Crop-Aufnahme — also gleichzeitig Querformat auf CFexpress und ein Hochformat-Crop auf SD — funktioniert beim 4K-Modus wirklich gut und ist für Social-Media-Workflows richtig praktisch. Wer aber in Open Gate dreht und das Reframing in der Post machen will, bekommt diese Echtzeit-Crop-Funktion nicht dazu — der Open-Gate-Workflow ist bei Canon bewusst als Post-Production-Weg gedacht: einmal alles aufnehmen, dann in der Post für jede Plattform croppen.
Für wen lohnt sich nun die C50?
Wenn ihr lange Interviews dreht, Timecode-Sync braucht, mit XLR-Mikros arbeitet und den Open-Gate-Workflow für Social Media nutzen wollt, ist die C50 ein sehr starkes Werkzeug für ihren Preis. Wer starke Farben direkt aus der Kamera möchte und keine Lust hat, alles erst in der Post aufzubauen, wird hier happy sein. Wenn ihr dagegen viel Handheld ohne Objektiv-Stabi unterwegs seid, einen Sucher braucht oder sehr hohe Foto-Auslesegeschwindigkeiten wollt, dann ist die R5 Mark II oder ein Blick zur Sony FX3 wahrscheinlich die bessere Wahl für euch.
Fazit zur Sony Canon EOS C50: Wirklich der Fx3 Killer?
Die Canon EOS C50 ist kein fotografischer Hybrid-Kompromiss, sondern ein durchdachtes, spezialisiertes Cinema-Werkzeug in einem ungewohnt kleinen Gehäuse. Stärken sind der Autofokus, der Open-Gate-Workflow, die starken Farben out-of-camera und die thermische Zuverlässigkeit – die wir beim Jazz Open Stuttgart unter echten Bedingungen bestätigt bekommen haben. Schwächen sind eventuell das Display, das fehlende 32-Bit-Float-Audio und die Dual-Recording-Einschränkung im Open-Gate-Modus.
Die C50 schließt damit bei Canon die Lücke zwischen der eher foto-orientierten R5 Mark II und der größeren, teureren C80. Gleichzeitig korrigiert sie ein paar Schwachstellen, die die ältere R5C hatte, etwa bei Akkulaufzeit und beim Mini-HDMI-Anschluss. Das Interessante dabei: Sony hat die FX3 jahrelang nicht per Firmware um Open Gate erweitert, und genau in dieses Zeitfenster stößt Canon jetzt mit einem Werkzeug, das nativ für Cinema-Workflows gebaut ist. Wir wollen also nicht wie manche Kollegen „FX3-Killer“ sagen, aber so viel können wir vorwegnehmen: Mit ca. 3200€ in einigen Shops aktuell ist das auf jeden Fall eine Kampfansage!



